Meditation im Oktober 2026
Hagebutte – Die Würde der späten Dinge
Die Hagebutte verkörpert das Spätwerk des Rosenstrauchs. Wie alles Späte weist sie auf das Gewesene und das Kommende hin. Die Rose hat mit offenen Augen geträumt. In ihren geschlossenen Augen erwacht die Hagebutte. Ihr Auftrag lautet, den Gesang der Rose in Würde und Schönheit zu vollenden.
Anders, und auf eine neue Weise schön ist die Hagebutte, die gesammelte Tochter der Rose. Ihre Reife zeigt sich darin, dass sie das Licht der Selbstachtung hütet und die Würde aller Rosen in sich bewahrt und gerade im Alter sich und andere in Ehren hält.
Reich ist die Hagebutte, durch all das, was sie von sich aus mit Würde zu entbehren weiß. Die samtweiche Schönheit der Rosenblüte – für immer losgelassen, verwelkt. Der süße Duft, ihre unsichtbare Glorie – freigegeben, verweht.
Was die Dornen so wehrhaft verteidigten, die Blütenblätter zärtlich verbargen, jetzt zeigt sich endlich: das rote Herbstherz der Rose. Schlicht, aber erfüllt. Nackt, aber leuchtend. So verklingt eine Rose.
In Anmut verklingen – das ist das Fest der späten Dinge. Es ist ein Fest nahe der Grenze. Wir können es in Würde begehen. Es sagt das Unausweichliche an. Wer darüber hinaus noch weiter will - muss fort. Die Zeit ist am Sinken, oder im Kommen, je nachdem, wohin wir schauen.
Es ist gut, für diesen Moment ein Licht zu haben, das Licht einer kleinen späten Laterne, die uns zum Abschied leuchtet – und einen Anfang gesammelt in sich trägt. Hungrige Vögel holen sich dieses Licht und steigen mit ihm auf in die Zwischenböden ferner Wolkendämmerungen. So wachsen der Rose zum Ende hin Flügel. Wie ein Seelenvogel erhebt sie sich und ist frei. Marion Küstenmacher, „Vom Zauber der Blumen und kleinen Dinge“
Lese diesen Text immer wieder und geh mit ihm im Monat Oktober. Was sagt er dir auf dein Leben bezogen. Wo stehst du? Wo gehst du hin?
Ich wünsche eine goldene Oktoberzeit
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